Mietverträge dürfen kein generelles Verbot zur Hunde- und Katzenhaltung enthalten, hat der Bundesgerichtshof (BGH) (Urteil vom 20.3.2013, Aktenzeichen VIII ZR 168/12) eindeutig entschieden. Ist dies ein Freifahrtschein für Haustierbesitzer? Wir beantworten Fragen zu Haustiere in der Mietwohnung.

Auslöser eines Streits mit dem Vermieter ist in vielen Fällen das Halten von Haustieren in der Mietwohnung. Vielen Vermietern graust es davor, wenn Sie hören, dass Haustiere zu neuen möglichen Mieter gehören. Warum ist das so? Der Vermieter muss gegenüber den anderen Mietparteien garantieren, dass eine Ruhestörung nicht durch das Haustier hervorgerufen wird. Doch wie wollen Sie die Lautstärke kontrollieren? Ein schwieriges Unterfangen für den Vermieter. Zu der Lautstärke sind in vielen Fällen auch Schäden der Mietwohnung vorkalkuliert. Insgesamt ein Mehraufwand für den Vermieter.

Die gegebene Vorsicht aus Sicht des Vermieters kann somit nachvollzogen werden. Viele Mieter jedoch haben den großen Wunsch nach einem Haustier. Auch das Gesetzt mach es nicht einfacher, denn es schweigt zum Thema Haustierhaltung. Im folgenden Artikel informieren wir Sie, welche Haustiere Sie in einer Mietwohnung halten dürfen und welche vom Vermieter untersagt werden können.

Kompaktinfo – Haustiere in der Mietwohnung 

Im Mietrecht können Haustiere nicht generell verboten werden.

  • Ohne die Erlaubnis des Vermieters dürfen Kleintiere in der Wohnung gehalten werden. 
  • Die Genehmigung für die Haltung von Hunden und Katzen in einer Wohnung, hängt von der Einzelentscheidung des Vermieters ab.
  • Bei einem grundsätzlichen Verbot von Haustierhaltung im Mietvertrag, gibt es nur die Möglichkeit der Einzelfallentscheidung.

Welche Tiere dürfen in der Mietwohnung gehalten werden?

Kleintiere

Unter Kleintieren werden Tiere verstanden, die weder die Nachbarn stören noch die Wohnung schädigen. Dazu zählen zum Beispiel: Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse, Zierfische, Ziervögel und Schildkröten. Die Haltung von Kleintieren entspricht damit mietrechtlich zum „vertragsmäßigen Gebrauch“ der Unterkunft.

Ausnahmeregelungen:

  • Nach Urteil einiger Gerichte dürfen Frettchen verboten werden, weil diese unangenehm riechen und die Wohnung verschmutzen können. (AG Köln; Az.: 2 C 340/11).
  • Auch bei Ratten gib es unterschiedliche Meinungen. Mehrere Richter haben die Haltung dieser Tiere verboten, da für einige Menschen ein Ekelfaktor gegeben ist.
  • Probleme kann auch die Haltung von Ziervögeln in Mietwohnungen mitbringen. Ist deren Lautstärke zu hoch oder lärmen während der Ruhezeiten, können diese vom Vermieter verboten werden.

Hunde und Katzen

Grundsätzlich darf per Formularklausel die Haltung von Haustieren in der Mietwohnung (Hunden und Katzen) laut Urteil des Bundesgerichtshof (Az.: VIII ZR 168/12) nicht verboten werden. Zusätze im Mietverträgen, in denen steht, dass für die Haustierhaltung eine Zustimmung des Vermieters erforderlich ist sind weiterhin gültig. Es ist immer wichtig die Interessen aller Parteien (Mieter, Vermieter und Nachbarn) zu wahren und mit einzubeziehen.

  • Beispiel: „Gerechtfertigt wäre ein Verbot, wenn die Nachbarn Angst vor einem Hund hätten.“

Final ist zu vermerken, dass Vermieter weiterhin im Einzelfall entscheiden können. Dies verhindert auch nicht das vom Bundesgerichtshof (BGH) für nicht zulässig im Mietrecht erklärte generelle Haustierverbot. Mietvertrag-Zusätze haben weiterhin Gültigkeit, die einer Zustimmung des Vermieters zur Haustierhaltung von z.B. Hunden oder Katzen erforderlich machen oder beinhalten.

Exoten

Bei Reptilien, Vogelspinnen, Gift- oder Würgeschlangen und Kampfhunden bedarf es in jedem Fall der Erlaubnis des Vermieters. Zusätzlich muss je nach Bundesland eine Halteerlaubnis beantragt werden.

Ungefährliche und ungiftige Schlangen benötigen keine gesetzliche Halteerlaubnis und können deshalb nur aus hinreichenden Gründen vom Vermieter verboten werden. Ein reiner Ekel vor diesen exotischen Tieren reicht dem Gericht nicht aus (AG Bückeburg, Az.: 73 C 353/99 [VI]).

Wieviele Haustiere darf ich in einer Mietwohnung halten?

Wenn die Haltung von Hunden oder Katzen in der Wohnung erlaubt ist, dürfen nicht unendlich viele Tiere in der Wohnung gehalten werden. Hat der Vermieter den Einzug von Hund oder Katze erlaubt, gilt diese Erlaubnis nur für das entsprechende Tier und nicht generell. Auch die Größe der Wohnung ist ausschlaggebend für die Anzahl der Tiere die gehalten werden dürfen. 

  • Die erteilte Erlaubnis versteht sich immer im Bezug auf das angefragt Tier.
  • Beschränkung auf ein ortsübliches Mittelmaß von zwei Tieren (OLG München, Az.: 5 U 7178/89).
  • Abhängig von der Wohnungsgröße.

Ausnahmen bestätigen auch in dieser Thematik die Regel. Hierzu urteilte Das Amtsgericht Bergisch Gladbach (WuM 1991, 341), dass eine Deutsche Dogge aufgrund seiner überdurchschnittlichen Größe für eine Zweizimmerwohnung nicht geeignet ist.

Haustiere zu Besuch

Der Vermieter kann nicht verbieten, das Ihr Besuch seinen oder seine tierischen Begleiter mitbringt. Es sollte aber darauf geachtet werden, dass sich die mitgebrachten Tiere entsprechend verhalten. Es dürfen keine Beeinträchtigungen oder Belästigungen der anderen Mieter entstehen. Dies gilt insbesondere für etwaiges Bellen, Miauen etc. Nicht nur die Lautstärke sondern auch die Frequenz der Besuche und Besuchszeiten sind auf ein „normales Maß“ einzuhalten. Ein zu häufige Besuchen oder zu langes Bleiben des tierischen Besuches sollte daher im Vorfeld vermieden werden. Vermeiden sie durch entsprechendes Verhalten zukünftige Stresssituationen in Ihrer Nachbarschaft.

Die Definition „Wann ist ein Besuch noch ein Besuch?“ ist daher nicht eindeutig zu beantworten. Hierzu sagt das Amtsgericht Osnabrück (WuM 1987, 380) folgendes: „Ein vorbildlicher Besuch ist sich im klaren, wann es Zeit wird zu gehen. Aus diesem Grund beinhaltet ein mietvertragliches Verbot der Haustierhaltung nicht den stundenweisen Besuch oder Aufenthalt eines Hundes in Begleitung seines Besitzers anlässlich des Besuchs. Sie sehen, dass Thema Haustiere in der Mietwohnung ist nicht immer eindeutig definiert.

Haustierhaltung im Mietvertrag

  • Haustiere erlaubt: Hiermit ist gemeint, das alle „gewöhnlichen“ Haustiere in der Mietwohnung gehalten werden dürfen. Dazu gehören keine gefährlichen oder giftigen Tiere. Beispiele für ungefährliche Tiere sind: z.B. Hunde, Katzen oder Hausschweine. Als gefährlich eingestufte Tiere gelten z.B. Kampfhunde oder Würgeschlangen.
  • Hund/Katze nur mit Zustimmung des Vermieters: Mit dieser Klausel steht es dem Vermieter offen über die Haltung von Hund und Katze zu entscheiden. Sollte er die Anfrage ablehnen, geht dies nur mit einer sachlichen Begründung. Ausgeschlossen hiervon sind Kleintiere. Diese dürfen in jeder Wohnung gehalten werden. (OLG Hamm; Az.: 4 RE 5/80 und 6/80)
  • Haustiere verboten: Diese Klausel ist ungültig. Es muss Rücksicht auf jeden individuellen Fall genommen werden(BGH; Az.: VIII ZR168/12)
  • Nichts: Steht im Mietvertrag nichts zum Thema Haustiere in der Mietwohnung (Tierhaltung) müssen in diesem Fall die Interessen aller Parteien berücksichtigt werden.

Gerichtsurteile – Haustiere in der Mietwohnung

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1. Urteil

BGH zur Tierhaltung in Mietwohnungen

Gericht: Bundesgerichtshof,
Urteil vom 14.11.2007, – VIII ZR 340/06 -»

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2. Urteil

Toby darf bleiben: Vermieter darf Haltung des Mischlingshunds in der Mietwohnung nicht verbieten.

Gericht: Amtsgericht Hannover,
Urteil vom 28.04.2016, – 541 C 3858/15 –

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3. Urteil

Untersagung der Hundehaltung zur Nachtzeit und an Sonn- und Feiertagen auf Außengelände aufgrund wiederholten nächtlichen Gebells eines Wachhundes gerechtfertigt.

Gericht: Verwaltungsgericht Gelsenkirchen,
Urteil vom 18.09.2014, – 8 K 3784/13 –

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4. Urteil

Vogelzucht in der Wohnung – Vermieter darf fristlos kündigen.

Gericht: Amtsgericht Menden,
Urteil vom 05.02.2014 – 4 C 286/13

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5. Urteil

Urteil zur Katzenhaltung in der Mietwohnung.

Gericht: Amtsgericht München,
Urteil vom 26.07.2012 – AZ 411 C 6862/12

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